Türkiye Cumhuriyeti

Hannover Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

Die Türkische Wirtschaft und die Chancen für Niedersachsen, 24.01.2012

Grußwort
von Herrn Generalkonsul Tunca Özçuhadar
anlässlich des Neujahrsempfangs der Türkischen Gemeinde Niedersachsen
zum Thema
„Die Türkische Wirtschaft und die Chancen für Niedersachsen“
Dienstag, 24. Januar 2012, 18.00 Uhr


Verehrte Gäste,
meine Damen und Herren,

als östlichster Teil des Westens und westlichster Teil des Ostens nimmt die Türkei in einer Region voller geographischer, kultureller und historischer Reichtümer eine einzigartige strategische Position ein. Sie ist einer der Hauptakteure und glaubwürdiger Vermittler in Krisenregionen wie dem Mittleren Osten, dem Südkaukasus, Zentralasien, der Schwarzmeer-und Mittelmeergegend und auf dem Balkan.

Die Türkei ist auch das einzige Land mit überwiegend muslimischer Bevölkerung, in dem sich eine säkulare Demokratie etabliert hat. Die Vereinbarkeit von Islam und demokratischen Werten ist somit eine weitere Besonderheit der Türkei.

Die türkische Wirtschaft hat mit ihrem beständigen Wachstum in den vergangenen neun Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Eine gesunde gesamtwirtschaftliche Strategie in Verbindung mit einer umsichtigen Steuerpolitik und großen strukturellen Reformen haben das Land zu einem der Hauptempfänger ausländischer Direktinvestitionen gemacht.

Diese strukturellen Reformen waren Wegbereiter für umfassende Veränderungen in vielen Bereichen. Hauptziel dieser Anstrengungen ist es, die Rolle des Privatsektors in der Türkei zu stärken, die Effektivität und Stabilität des Finanzsektors zu erhöhen und das soziale Sicherungssystem auf eine solidere Basis zu stellen.

All diese in kürzester Zeit umgesetzten Maßnahmen haben die Türkei zu einer der aufstrebendsten Wirtschaftskräfte der Welt gemacht. Laut OECD-Angaben ist die Türkei die sechstgrößte Wirtschaft in der EU. Studien des Internationalen Währungsfonds belegen, dass die Türkei ihren aktuellen Status als sechzehnt-größte Wirtschaft der Welt auch bis ins Jahr 2015 hinein behalten wird. Als einer der zehn größten Schwellenmärkte ist die Türkei auch Mitglied der G-20. Die Dienstleistungen sowie der industrielle und finanzielle Sektor machen dabei 60%, 30% bzw. 10% des Bruttoinlandprodukts aus.

Die Türkei wird das Jahr 2011 mit einer jährlichen Wachstumsrate von über 7,5% abschließen. Das Pro-Kopf-Einkommen wird ca. 10.500 USD betragen. Das Bruttosozialprodukt steigt dabei auf ca. 800 Milliarden USD. Im vergangen Jahr haben in der Türkei 1,7 Mio. Menschen einen Arbeitsplatz gefunden. Dadurch konnte die Arbeitslosenquote auf 8,8 % gesenkt werden.

Trotz der globalen Rezession und der Finanzkrise, von der die Wirtschaft weltweit betroffen war, konnte die türkische Wirtschaft ihr starkes Wachstum in diesen schwierigen Zeiten beibehalten.

Der türkische Außenhandel konnte sein Exportvolumen von 113 Milliarden USD im Jahr 2010 auf 135,5 Milliarden USD im Jahr 2011 steigern. Somit sind unsere Exporte in den vergangenen 9 Jahren von 26 Milliarden im Jahr 2002 auf heute 134,5 Milliarden USD gestiegen. Das entspricht einer fast vierfachen Steigerung.

Angesichts dieser rasanten Außenhandelsentwicklung verwundert es nicht, dass die Turkish Airlines über Jahre ein enormes Wachstum mit zweistelligen Raten erzielen konnte. Das türkische Luftfahrtunternehmen fliegt mittlerweile ca. 190 Destinationen in 84 Ländern an und besitzt aktuell 178 Flugzeuge. Bis ins Jahr 2016 soll die Flotte auf 237 Flugzeuge erweitert werden.

Dank ihrer modernen Industrie liegt die Türkei europaweit bei der Herstellung von Fernsehgeräten, DVD-Playern und Bussen auf Platz 1, bei der Herstellung von Nutzfahrzeugen und Zement auf Platz 2, und bei der Herstellung von Stahl und Keramikfliesen auf Platz 3. Im weltweiten Vergleich ist die Türkei größter Erzeuger von Bor, zweitgrößter Hersteller von Glas und viertgrößter von Luxusyachten.

Verehrte Gäste,

die Europäische Union und Deutschland gehören zu den wichtigsten Handelspartnern der Türkei. Mit 47% hatte die EU im Jahr 2011 den größten Anteil am türkischen Export, gefolgt von den asiatischen Staaten mit 28%, Russland und den zentralasiatischen Staaten mit jeweils 10% und Afrika mit 7,5%. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass der Beitritt der Türkei zur Europäischen Union sowohl die Größe des europäischen Binnenmarktes als auch die Wettbewerbsfähigkeit der EU in der globalen Wirtschaft erhöhen wird.

Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und der Türkei belief sich im Jahr 2010 auf 37,5 Milliarden Dollar. Auch was die Auslandsinvestitionen in der Türkei betrifft liegt Deutschland mit ca. 4.400 Firmen an der Spitze.

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum die Türkei für Deutschland und auch weltweit zu einem so attraktiven Investitionsstandort geworden ist: ihre erfolgreiche Wirtschaft, ihre qualifizierten Arbeitskräfte, ihre junge Bevölkerung und ihre liberalen Bestimmungen und Anreize für Investitionen.

Dank ihrer geographischen Lage hat die Türkei außerdem leichten Zugang zu den 1,5 Milliarden Kunden der großen Märkte in Europa, Eurasien, dem mittleren Osten und Nordafrika.

Verehrte Gäste,

lassen Sie uns nun die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Land Niedersachsen und der Türkei genauer beleuchten.

Niedersachsen ist flächenmäßig das zweitgrößte und mit rund 8 Millionen Einwohnern der Bevölkerungszahl nach das viertgrößte Bundesland und zeichnet sich als Wirtschaftsstandort durch seine zentrale Lage in der Mitte Europas aus. Das Land Niedersachsen verfügt über eine große Anzahl attraktiver Potentiale, die die Möglichkeit zur Kooperation mit der Türkei bieten. Dies kann dazu beitragen, das gemeinsame Handelsvolumen von 1,76 Milliarden Euro im Jahr 2010 noch weiter zu erhöhen.

Dabei wäre insbesondere in den drei folgenden Bereichen der weitere Ausbau der Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und dem Land Niedersachsen vielversprechend: Automobil-und Zulieferer, Verkehr und Logistik, sowie erneuerbare Energien.

Gerade die sehr gut ausgebaute Zulieferindustrie in der Türkei bietet attraktive Wettbewerbsvorteile für Autobauer aus Niedersachsen. Im Ersatzteilbereich hat sich die Türkei zu einem weltweiten Branchenführer entwickelt. Führende deutsche Firmen beziehen ihre Teile mittlerweile ausschließlich in der Türkei, wie beispielsweise Mercedes in Bremen. Im Bereich Nutzfahrzeuge wurden von der Volkswagen AG im vergangenen Jahr 75.000 Fahrzeuge in die Türkei verkauft; in diesem Jahr wird die 100.000-er Marke voraussichtlich überschritten. Gleichzeitig haben führende deutsche Firmen, wie beispielsweise Continental, ihre Produktion auch in die Türkei verlagert.

Ebenso wie der Produktionssektor hat sich auch der Logistik-und Transportbereich in der Türkei zu einem bedeutenden Sektor entwickelt. Auch hier steht für die Zukunft enormes Potential bereit. Türkische Logistikfirmen erkunden neue Wege, um den Transport von Waren und Gütern noch effektiver zu gestalten. Das Land Niedersachsen bietet beste Voraussetzungen, um auch in diesem Feld einer der wichtigsten Kooperationspartner der Türkei zu werden.

Die Türkei besitzt auch im Energiesektor ein enormes Potential und bietet im Bereich erneuerbare Energien vielfältige Möglichkeiten. Zurzeit nutzt die Türkei allerdings nur ein Minimum der in diesem Bereich zur Verfügung stehenden Kapazitäten. Daher sind Investitionen in erneuerbare Energien und in Projekte zur Energiegewinnung für die Türkei von größter Bedeutung. Für die Umsetzung solcher Projekte und Ideen wird jedoch internationales know-how benötigt.

Das türkische Energieministerium hat mittlerweile Investitionen in diesem Sektor für das kommende Jahrzehnt genehmigt, mit einem Gesamtumfang von 150 Milliarden Dollar. Davon werden 78 Milliarden allein auf die erneuerbaren Energien verwandt. Dieses ist ein weiterer Anreiz für deutsche Firmen, die Zusammenarbeit mit der Türkei auf dem Energiesektor auszubauen.

Verehrte Gäste,
Um die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Niedersachsen und der Türkei zu vertiefen, hat das türkische Wirtschaftsministerium die Handelsabteilung des Generalkonsulats gestärkt. Sie ist jetzt mit einem eigenen Büro im Zentrum von Hannover vertreten. Ich freue mich im Übrigen sehr, dass eine niedersächsische Wirtschaftsdelegation unter Leitung des niedersächsischen Wirtschaftsministers Jörg Bode in der Zeit vom 29.04. bis 05.05.2012 in die Türkei reisen wird. Die Delegation wird die Wirtschaftsregionen Kayseri, Konya und Istanbul besuchen.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Niedersachsen stehen seit vielen Jahren auf einem soliden Fundament. Wie bereits erwähnt lag das bilaterale Handelsvolumen im Jahr 2010 bei rund 1,76 Milliarden Euro. Das bedeutet ein Plus bei den Exporten aus Niedersachsen in die Türkei von ca. 39% und bei den Importen aus der Türkei ein Plus von fast 19%. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Reise die vorhandenen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Türkei und Niedersachsen noch weiter vorantreiben wird.

Hannovers internationale Leitmessen sind ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaftsbeziehungen. Die Anzahl türkischer Firmen, die an diesen Messen teilnehmen, ist gewöhnlich weitaus höher als die in anderen internationalen Messen. Diese hohe Teilnehmerzahl und die Tatsache, dass die Türkei Partnerland so bedeutender Veranstaltungen wie der Hannover Messe 2007 und der Cebit 2011 war, ist eine großartige Gelegenheit, industrielle Netzwerke aufzubauen und den bilateralen Handel weiter zu fördern.

Auch die letzten Messen in Hannover waren in dieser Hinsicht beispielhaft: bei der vergangenen EMO-Metallverarbeitungsmesse waren 37 türkische Aussteller zu Gast, bei der Agritechnica 67 türk. Aussteller, und an der DOMOTEX Messe haben sich 151 Aussteller beteiligt. Damit war die Türkei drittgrößtes Ausstellerland. Wir sollten diese Gelegenheiten von internationalen Messen in Hannover daher nutzen, um unsere ohnehin multidimensionalen Beziehungen noch weiter voranzutreiben.
Verehrte Gäste,

wie Sie sehen, sind die Voraussetzungen für eine Ausweitung des bilateralen Handels zwischen unseren Ländern hervorragend. Es wäre schön, wenn wir dieses Potential zum Wohle Niedersachsens als auch der Türkei effektiv nutzen könnten.

Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit.